df salon : thema

Design & Qualität. Was hat das df dazu zu sagen?



Einführung zur df-Jahrestagung in Koblenz 2013
von Cornelia Feyll, Textildesignerin, Kassel

Der „Qualitätsbegriff"

Die Frage nach guter Qualität im Design begleitet jede von uns in ihrer Arbeit. Jede Designerin für sich wird den Qualitätsbegriff an verschiedenen Punkten festmachen. Uns Vorstandsfrauen interessieren eure Gedanken zu diesem Thema. Auf der Jahrestagung in Koblenz haben wir daher einen kleinen Workshop dazu gemacht. Vorab gab es eine Einführung in das Thema, denn die Frage nach Qualität und Design, ist nicht neu. Schon mit den Anfängen unseres Berufes, Mitte des 19. Jahrhunderts, wurde der Ruf nach Qualität laut. Worauf bezieht sich die Qualität? Wie entstehen ästhetische Urteile? Wie wurden sie früher begründet? Welche Werte sind uns jetzt wichtig?

Zitate

An Hand von Zitaten verschiedener Designer aus den letzten 160 Jahren läßt sich die Entwicklung dieser Debatte ablesen.
Was fällt auf? Die Werte wandeln sich beständig und daher gehört die Frage nach der Qualität im Design zu unserem täglich Brot. Außerdem stammen alle diese Zitate von männlichen Kollegen:
››Es erfüllt mich mit Genugtuung, daß eine Maschinenarbeit, die nichts anderes darstellt als Last und Sklaverei, nicht in der Lage ist, Kunst zu schaffen. Alles was dabei herauskommt, liegt zwischen grobem Unfug und idiotischem Schund!‹‹ William Morris, Die Ziele der Kunst. 1878
weitere Zitate

Weibliche Positionen sind wesentlich schwieriger aufzuspüren, je weiter man in die Vergangenheit zurück schaut.
Welche Positionen kennt ihr?
Was haben Designerinnen zu dieser Debatte beizutragen?

Hast Du Dich schon mal...


...in ein Design verliebt?

Um sich unseren Qualitätsbegriffen zu nähern, hatten wir die Frage nach Lieblings-Design-Objekt von df-Designerinnen gestellt. Eine Auswahl:

Reiseheimat

Anna Anderson:
„Dies sind meine Lieblinge, weil der Reisebegleiter jeder noch so unpersönlichen Unterkunft in der Ferne vertrautes Gemüt zufügt. Für mich sorgt Kerzenlicht für warme Stimmung, eine frische Blume bringt ein kleines Leben in den Raum, mit meinem persönlichen Foto kommen schöne Gedanken und in der Dose findet Platz was ich liebe oder brauche. Einfach mein perfekter Begleiter. (Der Reisebegleiter enthält eine Dose für Praline, Pillen, Schmuck, einen Vaseneinsatz für die Blume der Liebe und ein Fach für ein Teelicht. In der Dose befindet sich ein Magnet, welcher ein Foto Ihres Schatzes, Zettel, Ticket am Außenmagneten halten kann.)”

Ein altes Kinderkleidchen

...der 50er Jahre.
Cornelia Feyll: 
„Es ist mir ans Herz gewachsen und ich hüte es gut, obwohl ich es nicht mehr brauche und es seine besten Tage gesehen hat. Ein simpler Schnitt, schlichtes und funktionales Baumwollgewebe, Stickerei, Hohlsaumkanten. Dann dieses milde Blau in Kombination mit den weiß-gelben Margeriten, gut aufeinander abgestimmt. Die zum Teil angeschnittenen Blüten ergeben eine klare Linienführung in der Musterung: Eine durchdachte Gestaltung, keine Beliebigkeit. Warum aber rührt es mich so an? Es ist so liebevoll von Hand gemacht und die leichten Unregelmäßigkeiten in der Stickerei lassen es lebendig wirken. Dazu kommt sicher auch, daß es alt ist. Es bringt Geschichte mit. Wer es wann und für wen gemacht hat, weiß ich leider nicht. Ich bekam es vor 25 Jahren geschenkt, meine Kinder haben es gerne getragen und sahen darin reizend aus. Fazit: Erst im persönlichen Gebrauch und mit der Zeit erhalten die Dinge für mich ihren Wert.”

Spielobjekt

Claudia Hurt: 
„Modelo para Armar – Gesichter, ist ein Herzensprojekt von mir, vor ein paar Jahren in Zusammenarbeit mit einer Künstlerin entstanden. Aus den Porträts von Menschen vieler Kulturen wurde ein Modellbaukasten zusammengestellt. Unterschiedliche Typen aus verschiedenen Nationen können beliebig zu neuen Gesichtern zusammengepuzzelt werden. Es sind die Gesichter einer sich verändernden Gesellschaft. Auf spielerische und positive Weise werden die Vielfalt der Kulturen, die Frage nach Herkunft und Identität entdeckt, erfahren, gestaltet. Es entstehen neue Gesichter, denen die bedeutende, schwierige und mühevolle „Arbeit“ der Anpassung und Integration im zwischenmenschlichen Zusammenleben ebenso wenig anzusehen, wie den Objekten selbst.”

tea cosy

Ulrike Marks:
„Dieses ist eine Teemütze, ein Tea Cosy, gestrickt von irischen Nonnen, in Irland erworben. Es ist ein Souvenir, ein nützliches, eine abgewandelte Pudelmütze mit zwei seitlichen Öffnungen für die Tülle und den Griff. Die Stricktechnik ist durchaus anspruchsvoll. Sicher war die Herstellung eine lustvolle Angelegenheit. Ich schaue sie immer wieder mit Freude an. Sie tut ihren Dienst sehr zuverlässig und mit unaufdringlichem Humor.”